Dass raffinierte Zucker und Mehlprodukte "Kalk- und Vitaminräuber" sind, ist gesundheitsbewußt lebenden Menschen schon länger bekannt. Dass man aber auch bei Gemüse aufpassen muss wenn man es - nur - roh isst, ist an dieser Stelle vielleicht neu.
Karotten nagen?
Gemüse in der Geschichte
Ausgewogene Ernährung
Das meist verwendete Gemüse
Kohlenhydrate in Gemüsen
Gemüse im Handel, Versuche
Perspektive, Praxis
Quellen
Einfaches rohes Gemüse ist oft ein wichtiger Bestandteil der Rohkost.
Doch habe ich in den letzten Jahren mitbekommen, dass sogenannte Supermarkt-Gemüse-Rohkost zu einem Mangel führen kann: Manche rohe Kultur-Gemüsesorte läßt sich in rohem Zustand nicht gut assimilieren.
Die handelsüblichen Gemüse sind durch das Bemühen, eine Eigenschaft stärker hervortreten zu lassen, vor allem für das Kochen gezüchtet worden:
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Das Resultat sind vor allem bei konventionellem Anbau unausgewogene Nahrungsmittel, die dem Körper sogar Minerale und Vitamine entziehen können und damit das Gegenteil bewirken, als die sich vermeintlich gesund ernährende Person es möchte: Mängel und damit der Grundstein für Krankheiten. Einige Hersteller von Vitaminpräperaten raten seit langem zur regelmässigen Einnahme von Nahrungsergänzungmitteln.
Eine sinnesorientierte Möglichkeit der Versorgung mit Nährstoffen ist die Miteinbeziehung der Urform der Gemüse bzw die Kenntnis, welche der Pflanzenarten sich bei den Inhaltsstoffen unterscheiden .
Unsere landläufig bekannten Gemüse wurden mit der Zeit aus Wildkräutern gezüchtet. Die "Veredelung" bewirkt verkaufs-, lager- und kochfähige Nahrungsmittel. In den ärmsten Gebieten der Erde wie Afrika beginnt man diverse "wilde" Bäume zu schützen, die den dort lebenden Völkern das Überleben in Notzeiten gewährleisten. Die Qualität (Nährwert, Kalorien, Vitamine, Kohlenhydrate, Mineralstoffe usw.) dieser Lebensmittel ist so groß, dass im Vergleich geringe Mengen ausreichen, um sich mit lebenswichtigen Stoffen zu versorgen.
Auch für Europa sind solche Pflanzen bekannt - auch wenn Afrika wegen seinem Klima natürlich ganz andere Lebensmittel zur Verfügung stellt (Beispiel: Affenbrotbaum).
(1) So enthalten Kreuzblütler (Brassicaceae, Kohlgewächse) Kohlenhydrate (löslicher Zucker, Schleime, Senfölglykoside), viel fettes Öl (Ölsäure, Erucasäure), 30 % Eiweiß und keine Stärke. Beispiel: Ackersenf, Wilder Rettich usw. (siehe auch folgendes Kapitel)
(2) Als Gewürz sind die Doldenblütler (Apiaceae) interessant - deren Teilfrüchte enthalten neben ätherischem Öl auch Eiweiß (9-36%) und Öl (5 - 47%). Beispiel: Gemeiner Kümmel, Pastinake
(3) Die Nußfrüchte der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae) enthalten Kohlenhydrate (Stärke), fettes Öl, Eiweiß, Saponine. Beispiel: Weißer Gänsefuß und Guter Heinrich als Spinatersatz (der gute Heinrich wächst auf gut gedüngten Böden, oft in der Nähe von Komposthaufen). Noch besser sind hier aber die
(4) Malvengewächse .
(5) Die Wegerichgewächse (Plantaginaceae) haben Kapselfrüchte: Da die Samenschale mit großen schleimerfüllten Zelln versehen sind, werden die Samen als milde Abführmittel verwendet. Auch die Blätter der Wegerich-Arten enthalten Schleim -> darauf beruht speziell die Verwendung der Blätter des Spitzwegerich als Hustenmittel. Die Inhaltstoffe: Schleime, div. Zucker (Stärke fehlend), Zellulose, Eiweiß, Fett.
Speicherstoffe der Samen: 5 - 13 % fettes Öl (Linol- und Ölsäure), 15 - 20 % Eiweiß (Aleuron), Reservezellulose Planteose (= nicht reduziertes Trisaccarid, welches der Raffinose isomer ist), Schleim (Polysaccaride und Polyuronidmischungen).
Beispiel: Spitzwegerich, Breitwegerich, Mittlerer Wegerich
(6)
Wenn man Gräser länger kaut, werden sie süß im Mund. Die Süßgräser (Poaceae, Klasse der Monokotyledoneae = Einkeimblättrige) enthalten Kohlenhydrat (Stärke), Fett und Eiweiß: Die Früchte diverser Wildgrasarten fanden als Notnahrung Verwendung (Maurizio 1927), da die Karyopsen (einsamige Nußfrucht) stärkehältig sind.
Die Liste ließe sich noch länger fortsetzen und zeigt nur beispielhaft, dass die sog. Unkräuter meist sehr gute Nährstofflieferanten sind. Aus den Kreuzblütlern wurden also viele der bekannten Kohlgemüse und auch Rettiche gezüchtet (Allergien darauf sind selten).
Der exzessive Anbau auf den Ackerböden bewirkt schon nach wenigen Jahren ein Auslaugen der Böden, sodass die auf Größe gezüchteten Pflanzen hauptsächlich mit den Düngern (Stickstoff, Phosphor, Kalium) und Wasser genährt werden. Der modernste Trend im Gemüseanbau sind Zuchthäuser mit genau dosiertem, mit Nährstoffen angereichertem Wasser bewässerten Substrat. Resultat ist, dass die Pflanzen keineswegs das abgerundete Gleichgewicht wie ihre ursprünglichen Urpflanzen aufweisen.
Hoher Nitratgehalt in Radieschen, Spinat, Kopf- oder Feldsalat, Mangold, Rettich und Rote Rüben. - Knollen speichern Nitrat: Sie sind besonders aus konventionellem Anbau belastet, weil der organische Dünger bei biologischem Anbau erst gelöst werden muss - wo sie vergleichsweise wenig Nitrat enthalten.
Nitrat ist gesundheitlich unbedenklich, kann jedoch durch Lagerung und Zubereitung zu Nitrit umgewandelt werden (aus diesen wiederum Nitrosamine -> krebsfördernde Eigenschaften). Kleinkinder reagieren darauf empfindlicher als Erwachsene. Durch das Kochen kann der Nitratgehalt um bis zu 70 Prozent reduziert werden - aber auch Vitamin C kann die Bildung der Nitrosamine hemmen (z.B. eine Zitrusfrucht dazu essen). Am Abend geerntete Rüben haben einen geringeren Nitratanteil.
Als Kohlenhydratquelle eignen sich Wurzeln bzw Knollen nicht so gut, weil sie zum Teil aus nicht so gut verdaulicher "kristallinen" Stärke bestehen.
So wie der Carotin-Gehalt der Kuhmilch von den Futterpflanzen abhängt (Carotinreich: Klee und andere Hülsenfrüchtler, Carotinarm: Korb- und Doldenblütler aus), wurde an Kühen beobachtet, dass eine einseitige Ernährung mit Kohlgewächsen durch die enthaltenen Begleitmoleküle (Thiocyanate) die Jodaufnahme hemmen bzw. andere (Goitrin) parallel auch die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen, auch wenn ausreichend Jod vorhanden ist. Auch die Sojabohne beschleunigt die Ausscheidung von Schilddrüsenhormonen. Phytin, dass in den Samen vieler Plfanzen enthalten ist (Getreide, Ölpflanzen und Hülsenfrüchte) bindet Mineralstoffe wie Zink und Magnesium fest an sich, sodass auch hier eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst wird.
Ausgewogene Ernährung setzt sich aus so vielfältigen Lebensmitteln wie möglich zusammen. Besondere Achtsamkeit ist bei hochgezüchteten Gemüsen (und Obstsorten) auf die Auswahl von unterschiedlich ursprünglichen Pflanzengruppen (und damit Nährstoffgruppen) zu legen. Ein Ausgleich mit Wildkräutern (= Urform der Gemüse) und ursprünglichem Obst (Hagebutte, Beeren, Schlehen, Holunder ["klick" zum Märchen von Folke Tegetthoff], etc. aber auch Exotenobst) ist in jedem Fall anzustreben, um mit der rohen Ernährung zufrieden zu sein.
Beispiel für eine einseitige Gemüse-Auswahl: Radieschen, Brokkoli, Kohlrabi, Knoblauchrauke, Kresse (alles Kreuzblütler, meist hochgezüchtet, wobei das Wildkraut schon eine gute Erweiterung ist)
Beispiel für eine vielseitigere Gemüse-Auswahl: Brokkoli, Pastinaken, Lindenbaumblätter/Durian, Gurke, Bärlauch, Erbsen (unterschiedliche Gewächse: Kreuzblütler, Doldengewächs, Malvengewächs, Kürbisgewächs, Lauch, Hülsenfrucht)
Alle Kreuzblütler sind ungiftig, beinhalten viele wertvolle lebensaktive Stoffe und sind daher der erste Freund der Menschen.
Allein Cystein (schwefelhältiges Molekül) ist vielen Menschen aus der Apotheke bekannt zur Entgiftung - bei Metallen, aber auch zum Schleim ablösen (Brausetabletten etc). An den folgenden Bildern erkennt man bei der Wasserkresse und der Knoblauchrauke die typische Anordnung der Blütenblätter bei Kreuzblütlern:


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Anders als bei der gekochten Art, Gemüse zu bereiten, tritt die Kohlenhydratversorgung durch Gemüse bei ausgewogener Rohkost eher in den Hintergrund. Beim Kochvorgang werden die gezüchteten Kohlpflanzen verändert (Wasser verdunstet, sekundäre Pflanzenstoffe werden nicht mehr als scharf empfunden etc.).
Beim rohen Genuß wird von denselben Pflanzen eine quantitativ geringere Menge verzehrt, weil durch die Unausgeglichenheit des Lebensmittels bzw. bald entstehendem unangenehmen Geschmack
verhindert wird, allzuviel davon zu essen.
In der Kochkultur sind neben Ölen sonst stärkehältige Nahrungsmittel wie Getreide, Mais und Kartoffel die typischen gezüchteten Kohlenstoffspeicher. Ein im Vergleich dichtes natürliches Kohlenhydrat ist z.B. der (Waben-) Honig.
D.h. dass die rohen, insbesondere dunkelgrünen Gemüse uns sehr gut mit essentiellen Molekühlen versorgen und zur Gesunderhaltung des Organismus beitragen, die Kohlenhydratversorgung allerdings bei Bedarf entsprechend angepaßt werden muss. Diese Herangehensweise leitet sehr gut, wenn alle Lebensmittelgruppen mit einbezogen werden.
Wie bei den Früchten ist hier auch das Problem der Belastung durch Spritzmittel gegeben. Chemische Dünger, Insektengifte und Konservierungssprays finden letztlich ihren Weg in den Körper des Endverbrauchers. Biologische Dünger werden teils mit großen Komposthaufen produziert, deren innere Temperatur mehr als 80 Grad erreicht. Diese Komposthaufen produzieren veränderte Moleküle die später in den Gemüsen (und Früchten) zu finden sind. Das Durchwaschen und Reinigen der Gemüse ist nicht immer empfehlenswert, weil dies viele wertvolle Nährstoffe entfernt und auch leicht den Geschmack und Geruch verändert.
Machen Sie folgenden Versuch:
(1) Kaufen Sie sich einen Kohlrabi aus dem konventionellen Anbau und besorgen sie sich einen aus ihrem eigenen Garten (ersatzweise z.B. bei dem Versandhaus Orkos bestellen). Schneiden Sie beide Gemüse auf und riechen sie daran. Die natürlicher herangezogene Knolle wird anders riechen. Mir persönlich ist der Unterschied auch stark bei Bananen und deren Schalen aufgefallen.
Ergebnis: Das Erkennen von Fremdsubstanzen in Lebensmitteln durch Geruch
(2) Suchen Sie in der Natur eine Wilde Möhre (Karotte). Sie erkennen Sie an der rot oder schwarz gefärbten Blüte inmitten der weißen Doldenblüten.


Die grünen Pflanzenteile enthalten meist sehr viel Carotinoide (Vorläufer von Vitamin A), werden farblich aber vom grünen Chlorophyll verdeckt: Sie bereichern die schöne Herbstlandschaft, wenn das Licht schwächer wird und die Chlorophyllsynthese langsam aufhört.
Naturvölker ernährten sich, wenn sie dies von unterirdischen Gemüsen taten, von Knollen die sie wieder einsetzen konnten und diese sich weiter vermehren konnten. Teile der Süsskartoffel (diese enthält naturgemäß viele Carotinoide) können einfach wieder eingegraben werden, sie wächst weiter. Bei Pfahlwurzeln wie der Karotte ist dies nicht möglich.
Der eigene Garten oder die Natur im Umfeld unter Miteinbeziehung aller dunkelgrünen Gemüse bzw. Wildgemüse ist daher eine der besten Möglichkeiten, sich optimal zu versorgen. Dies funktioniert ganzjährig und kostengünstig da ohne Handelspanne und Transportwege.
Natürlich ist die Kenntnis über die Wildpflanzen etwas, dass wir meist erst wieder erlernen müssen. Heute gibt es viele gut illustrierte Bestimmungsbücher, Kurse an Volkshochschulen, Seminare von Verbänden und auch das Internet stellt mit seinen botanischen Datenbanken Informationen zur Verfügung.
Alternativ können ursprüngliche Lebensmittel, unter ihnen auch Wildkräuter über Versandhäuser wie z.B. Orkos bestellt werden (frisch gepflückt ist oft am besten).
Studien
* Vergleich von Lebensmittelwerten 1985 - 1996 in Obst und Gemüsen: "klick
" (.pdf-Datei, 33 KB)
* Pestizide in Lebensmittel, Greenpeace-Studie: "klick
" (.pdf-Datei, 628 KB)
* Amerikanische Studie über die Gemüsezucht aus dem Jahre 1936: Regierungsdokument 264 (Ackerboden und Weideland weisen nur noch 15% des Gehaltes im Boden den sie 100 Jahre zuvor hatten)
Film
UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung: We feed the world
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Bücher
* "Prost Mahlzeit!; Krank durch gesunde Ernährung" von Udo Pollmer, Andrea Fock, ULrike Gonder und Karin Haug
* "Wildgemüse und Wildfrüchte; Eine wertvolle Ergänzung und Aufwertung unserer heutigen Nahrung" von Erich Heiß
* "Vitalstoffe, die Medizin der Zukunft" von Dr. med. Arnulf Fahl
* Wunderschöne Kräutermärchen für Kinder als auch Erwachsene gibt es von Folke Tegetthoff
Tiefergehende Literatur
* "Die Geschichte unserer Pflanzennahrung", Maurizio 1927
* "Giftpflanzen, Pflanzengifte", Roth, Deunderer, Kormann (erscheint regelmässig in neuen Auflagen)
* Skripten aus dem Studium für Ernährungswissenschaften in Wien
Weitere Literaturhinweise auf Anfrage an kontakt@allesroh.at