Weil die rohe Ernährung von vielen Menschen gerade in spirituellen Kreisen als ein mögliches Ideal gesehen wird, wird sie immer wieder damit in Zusammenhang gebracht.


So gibt es Menschen, die sich als Gruppe stark vom Mainstream bzw von derzeit üblichen Theologien distanzieren und in der Folge als Sekte eingestuft wurden.
Beispiele dafür sind Fiat Lux (Italien) oder auch Instinkto (Frankreich).

Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen roh ernähren, identifizieren sich allerdings im Allgemeinen nicht mit diesen Gruppierungen: Sie distanzieren sich größtenteils stark davon.
Gerade Claude Guy Burger ist in den letzten Jahren stark unter Kritik geraten, weil er aufgrund der Verurteilung wegen Pädophilie zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Auch einer seiner Söhne wurde kürzlich verhaftet (die Unschuldsvermutung gilt).

Tatsache ist, dass es keine Notwendigkeit gibt, all dies überhaupt in Zusammenhang mit roher Ernährung zu bringen. Weil es in dieser Zuordnung aber stattfand, ist Distanzierung erforderlich.


Wie es dazu kam und welche Hintergründe auch immer dazu geführt haben, sei dahingestellt. Es gibt Annahmen, dass die alleinige Propagierung des geistigen Hintergrundes von Wilhelm Reich (Schüler Freuds, schrieb u.a. Bücher wie "die Funktion des Orgasmus", "Sexuelle Revolution") mit Ausweitung auf die sexuelle Liebe von Kindern dazu geführt hat.

Kurze Info zu diesem Thema über Wilhelm Reich, Jean Liedloff, Stillen, Familienbett

Die konservative Sexualforschung, die reaktionäre Sozialethik und die Rechtsordnung der Familie ist laut ihm eine Grundlage des Staates. Die Familie ist ökonomisch, sozial und politisch eingebunden - ist ein Erziehungsapparat, durch den fast jeder durch muss. Hierzu gehört auch eine sexualmoralische Atmosphäre, die Wilhelm Reich (Schüler von Freud) wissenschaftlich (und ziemlich genau) durchleuchtet hat.

Dazu gehört nicht nur die Moral zwischen dem Ehepaar, die nicht nur in einer unnatürlichen Abhängigkeit entstanden ist (entstehen hat lassen), sondern auch das Umgehen mit Kindern - insbesondere das Füttern mit Flasche/Abstillen und das Extra-Bett für Babys und Kleinkinder.

Im Stillen wird eine Lust gesehen, die beiden Parteien von Natur aus hilft. Dabei ist es heute verpönt, daran zu denken, dass es angenehm sein könnte für die stillende Mutter. Ohne angenehme Gefühle würde jedoch jede Mutter am liebsten gar nicht stillen. So wie es in der Zivilisation geprägt wird, ist es meist so.
Das Liedloff-Forum wurde extra mit Passwort geschützt, als ein Mann einer Mutter unterstellte, sie würde zu lange stillen und diese anrief.

Es passiert, dass der bis gestern vielleicht normal gestillte Säugling dieses gewohnte Lusterlebnis plötzlich verliert (Abstillen) oder nie hatte. Das ist nach Wilhelm Reich genau die energetische Voraussetzung für das Entstehen einer oralen Blockierung auf der Basis von Nichtbefriedigung.

"Bis an sein Lebensende wird das Kind dann versuchen, sich diese Bedürfnisse durch übermäßiges Essen, Trinken, Reden und schwankende Gefühle zu erfüllen". [*] Das kann unter Umständen zu Fettleibigkeit, Depression bis zum manisch-depressiven Charakter, Alkoholismus und Drogensucht führen.

Durch Studien weiß man, dass gestillte Kinder weit weniger zu Übergewicht neigen (Ausführliches dazu bei La Leche Liga).
Die Körpernähe tut Menschen generell gut. Daher auch das Propagieren des Familienbettes (Jean Liedloff).
Dies alles hat allerdings nichts mit Sekten oder gar Pädophilie zu tun.
Das Stillen und das Familienbett sind anerkannte Praktiken, die das Familienleben bereichern und Kinder stark machen.
Kinder bauen ihre Spannungen durch Herumtollen, Gekitzelt werden und Lachen ab.

Die Stellung der Frau (insb. mit Kind, schutzbedürftig) wurde in der Information der sog. Meta-Psychoanalyse von Guy Claude Burger ohne weitere Quellen ziemlich ausgeklammert. Auch aus Berichten Anderer konnte ich nichts gegenteiliges erfahren. Möglicherweise hat aber genau diese Unstimmigkeit zu den entsprechenden Ergebnissen geführt.

 

Literaturquellen:

Leboyer, F.: Der sanfte Weg ins Leben - Geburt ohne Gewalt.
Somé, Sobonfu E.: In unserer Mitte: Kinder in der Gemeinschaft. Die Autorin ist Angehörige des matriarchalen Dagara-Stammes in West-Afrika. Wie in vielen solchen Gesellschaften wird der werdenden Mutter noch vor der Empfängnis eine Hebamme zur Seite gestellt. Sie überwacht jede Phase der Schwangerschaft, so dass sie zum Zeitpunkt der Geburt auf die Energien von Mutter und Baby eingestellt ist und weiß was ihr bevorsteht.
Die Orgonomie ist die Wissenschaft von der Orgonenergie und ihren Funktionen. (Dazu im Internet: www.wilhelm-reich-gesellschaft.de und www.uni-mainz.de/Organisationen/Reich/)
Döpp, Hans-Jürgen: Objekte der Begierde - zur Erotik des Tastsinns, New York: Parkstone Press, 2002
Buchheit, Hubertus J.: Erotische Beziehungen unter dem Aspekt von Yin und Yang - Plädoyer für eine Religion ohne Erbsünde, ohne Hölle, und ohne Sexualangst, Münster: Telos Verlag, 2005.
Harman, Robert A.: Two Cases of Difficulties in Breast-Feeding. In: Journal of Orgonomy Bd. 29, 1, 1995
Reich, Wilhelm: Children of the Future,New York 1984
Schwartzman, Richard: The Journal of Orgonomy Vol. 35, No. 1, 2001, S. 111
Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück:gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. (Sehr empfehlenswerte Lektüre!)
Orgonotisch bezieht sich auf den quantitativen und qualitativen Zustand der Orgonenergie („Lebendigkeitsenergie") ; Info-Flyer (PDF, s87 KB)
Deborah Jackson: Das geheime Wissen der Mütter, Mosaik, 2002
Gryparis, Ioannis: Aspekte des Stillens
[*] Baker, Elsworth F.: Der Mensch in der Falle - das Dilemma unserer blockierten Energie: Ursachen und Therapie.