Kinder haben Freude, die Welt um sich zu entdecken. Ein Kind lernt von selber oder gar nicht ... wie schon John Holt treffend sagte.
Wie auch immer Kinder mit Rohkost in Kontakt kommen, ein Abenteuer kann es jedenfalls werden. Vorallem soll Essen Spaß machen - und keine Ersatzbefriedigung darstellen.

Vorleben, Umfeld

Das einzige was zählt, ist: Vorleben.
Auch Treffen besuchen eignet sich vortrefflich, vor allem um zu sehen dass auch viele andere Menschen roh essen.
Nett sind auch Fotos von Kindern, die roh essen bzw. Videos die dies zeigen. Kinder ahmen gerne nach (wie auch Erwachsene, nur viel öfter).
Kinder spielen ihr Umfeld gerne nach: Lese- und Spielmöglichkeiten sind daher für die Entwicklung gut.
Ich hatte anfangs die Prospekte von Orkos und auch Bildkataloge von Obststrauch und -baum Versandhäusern gesammelt und daraus ein A4-Bilderbuch (18 Seiten) mit allen Formen der Lebensmittelgruppen gemacht. Dies ist nicht nur für das Kind anschaulich, auch externe erstaunte Personen sehen so, was es nicht alles für vielfältige Lebensmittel gibt (im Gegensatz zum regelmässig verwendeten Mehl in verschiedenen Formen).

Rohkost - Kinderbilderbuch
Bild oben: Härteres Papier (250 g/m²) mit Bildern beklebt, mit selbstklebender Buchbindefolie geschützt

Für den Kaufmannsladen habe ich fehlende wichtige Lebensmittel (-gruppen) wie Petersilie, Kräuter, Datteln, Rosinen, Mangos, Granatäpfel, Cherimoya, Mangostane, Fisch etc. in wenigen Minuten aus Märchenwolle gestochen (ist filzartig, farbenfroh) bzw. mit Basteldraht und Filz gebunden. Champignons und Kopfsalat und ähnliches gibt es ohnehin schon fertig zu kaufen.

Rohkost - Kaufmannsladen - Spielzeug
Bild oben: Ein paar der Spezialanfertigungen

Eigenes Erleben

Es gibt zwei Möglichkeiten, Ernährung zu erleben:

(1) Das Kind wächst in einem Umfeld (Mutter, Vater, ...) auf, in dem generell roh gegessen wird. Da es nichts anderes kennt, orientiert es sich zuerst daran. Wenn die Auswahl korrekt ist, wird es gedeihen und wachsen.
Früher oder später wird es mit gekochten/verarbeiteten Lebensmitteln in Kontakt kommen. Je mehr die bisherige Nahrung auch dem Gefühl nach verankert ist, werden Tests seitens des Kindes/Jugendlichen kleiner ausfallen.
Früher oder später kann es sein, dass das Kind z.B. durch Freunde auf Rituale die mit Kochkost zu tun haben stößt. Dazu siehe auch (2).

(2) Das Kind wächst in einem Umfeld mit verschiedenenen Ernährungsgewohnheiten auf. Hier kommt das Kind eventuell in eine Art Differenzsituation hinein. Es möchte zu allen Personen (in der Familie, ...) gehören und leidet, wenn nicht alle einheitlich leben. "Die einen machen es so, die anderen so" hilft ein bißchen zu erkennen, dass alle Menschen ihre Geschichte und ihre Gründe für ihre Verhaltensweisen haben. Die bewußte Beobachtung am eigenen Körper und auch anderer ist erforderlich um deutlich zu machen, welche Folgen welche Verhaltensweisen haben.
Da das Essen ein sehr heikles Thema ist, macht es durchaus auch Sinn, sich mit einer gesundheitlich orientierten PsychologIn zu unterhalten. Kinder entscheiden selber, was sie für die richtigen Mittel halten um ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Es sollte frei von psychischen Spannungsfeldern sein (-> Stichwort Familienaufstellungen). Erwachsene (im Umfeld) kann man fördern indem man gemeinsam ein formuliertes angestrebtes Ziel setzt.

Blogeintrag zur Kinderparty: http://blog.allesroh.at/2009/07/21/kinderparty/

Literatur, Erfahrungsberichte

Das Buch von Traudel Weustenfeld - Rohkost-Ernährung mit Kindern: "klick " (Mitgliedschaft bei instincto.net erforderlich)
(Ergiebig: Praktische Erfahrungen mit der Instinctotherapie - Ein Lebensbericht unseres Instincto-Kindes - Mit kommentierter Rohkost-Lebensmittelliste )

Rohkost Lieder  
Tipp: Lieder über Rohkost:

Seine Lieder sind fröhlich und erfreuen auch Erwachsene. Beispiellied: "Roh macht froh"

 

Kloeters-Briefe

Mir wurden die Kloeters-Briefe im Liedloff-Forum empfohlen: Eine Mutter schilderte in einem eigens von ihr verfaßten Beitrag, dass ihr diese Briefe geholfen hätten, den natürlichen Umgang mit Kindern in unserem modernen Umfeld zu leben.
Allein schon der erste Brief gleich handelt davon, den Gesichtsausdruck (und nicht erst die Handlung) des Kindes zu beobachten, was ich für eine der entscheidensten Aussagen halte. Frau Kloeters ist inzwischen schon über 70 Jahre alt, doch die Aussagen sind aktuell genauso interessant.
Die Briefe beinhalten auch Ernährung (-> so roh wie möglich) und die Herangehensweise bei Herausforderungen mit dem Essen.

Sie bestärkte mich darin, die Erfahrung des Kindes selbst zu fördern und im Zweifelsfall die Kinder selbst entscheiden zu lassen, was sie essen. Mit erhitzer Kost kommt dies nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Allerdings muss ich aus Erfahrung sagen, dass unser Kind nicht auf z.B. Semmeln bestand sondern aus dem angebotenen Lebensmitteln sehr gut auswählte, was es essen möchte. Die Stuhlbeobachtung und Literatur mit Fotos (z.B. im Konz-Ratgeber) und Videos (z.B. Montrame) oder besser andere Kinder bei Treffen bewirken ein stärkeres Bewußtsein.
Die Briefe sind hier erhältlich: www.kloetersbriefe.de
Hier ein Zitat aus den Kloeters-Briefen

"Essprobleme - Mengen und Manieren"

Einleitung

Es gibt nur wenige Probleme in der Erziehung, die so weitgehend durch Eltern und Erzieher verursacht werden wie jene, die mit den Mahlzeiten zusammen hängen.
Abgesehen davon, dass es in der Erziehung keine eisernen Regeln gibt, gelten hier zwei eiserne Regeln.

Ermuntere nicht zum Essen!
Ermahne nicht beim Essen!
(Setze dich gerade hin! Stopf nicht so! Nimm die Füße vom Tisch!)

Eine Regel betrifft die Eßmengen, die andere die Tischmanieren. Beginnen wir mit den Mengen.


Ferien im Zelt


Personen der Handlung:
Vater,
Sohn Thomas (8)
Freund Bernhard (10).

Eines schönen Sommers verreisten Vater und Sohn per Zelt und nahmen zur Gesellschaft Freund Bernhard mit. Mit viel Liebe und Benzin kochte Vater, was man im Zelt so kocht: Ravioli, Linsen mit Würstchen, Salat mit viel zu viel Zucker und dergleichen mehr. Aber er konnte auf den Tisch bringen, was er wollte, der fremde Pimpf sagte immer nur: "Mag ich nicht. ist doch Mist!"
Bernhard, der schon als Strich zu Hause abgereist war, aß so gut wie nichts und sah nach einer Woche so aus, wie Gandhi nach 90 Tagen. Vater überlegte zwar, ob es wohl gescheiter wäre, ihn kurzerhand auf die Bahn zu setzen.
Er war jedoch nicht sicher, ob das Skelett noch lebend zu hause ankäme. Außerdem hätte Thomas dann keinen mehr zum Spielen gehabt.

Theoretisch ist die Lösung eines solchen Problems wieder ganz einfach. Das Klima Essen ist vermiest worden, also muss zunächst einmal dafür gesorgt werden, dass das Klima bei den Mahlzeiten freundlich wird. Ein typisches Konsequenzproblem: Schlechte Verfassung - nachgeben bzw. entgegenkommen.
Vater sagt also immer wieder: "Bernhard, wenn du nicht essen willst, du brauchst hier nichts zu essen." "Bernhard, wenn du nicht essen wilst, du brauchst hier nichts zu essen!" "Gibt es denn nicht irgendwas, was du besonders gerne magst?"
"Nööööö!"
"Es muss aber doch etwas geben, was du gerne ißt!"
"Nööööö!

Bis schließlich Thomas auf der Bildfläche erschien und erklärte: "Papi, ich habe herausbekommen, was Berhard gerne ißt: Kirmesbrötchen!"
Bei dieser Gelegenheit lernte Papi, was ein Kirmesbrötchen ist. Ein Kirmesbrötchen ist ein halb aufgeschnittenes Brötchen mit einem heißen Würstchen und einem halben Meter Senf. Und obwohl es Vater fast schlecht wurde, wenn er mit ansehen mußte, wie Bernhard den Senf fraß, er dachte nur: "Die Seele ist wichtiger als der Bauch!"
Auf die Frage, ob er denn zu Hause auch solche großen Senfportionen essen dürfe erklärte er zwar strahlend jaaaa. Die Art und Weise jedoch, wie er immer wieder in unbewachten Augenblicken Zentimeter Senf aus der Tube auf seinen Zeigefinger quetschte und ihn schuldbewußt in sich hinein schlürfte, legte den Verdacht nahe, als hätte er zu Hause striktes Senfverbot.

Es liegt auf der Hand, dass das Klima Essen freundlicher wird, wenn ein Kind besonders gerne Kirmesbrötchen mag und diese auch regemässig bekommt. Darüberhinaus versuchte Vater immer wieder zu ergründen, welche Maßnahmen das Klima Essen aufbessern könnten. Eines Morgens fragte er z.B.: "Bernhard, was möchtest du heute frühstücken?" und Bernhard sagte: "Brötchen mit Ananasmarmelade, aber ich frühstücke heute im Bett." Vater dachte nur an das Klima und auch daran, dass im Zelt der Weg zum Bett nicht weit ist und sagte: "Selbstverständlich, gerne." Nach und nach wurde das Klima immer besser, und es war nur ein wenig beunruhigend, dass der Knabe buchstäblich kein Gemüse aß.
Schließlich kam Thomas und sagte: "Papi, ich weiß welches Gemüse der Bernhard gern ißt. Er ißt besonders gerne den Dosenrotkohl von Hengstenberg." Frohgemut spaziert Vater 5 km ins nächste Dorf, kommt zum Zelt zurück und sagt strahlend: "Bernhard, heute gibts Rotkohl." Bernhard erklärt nur: "Mag ich nicht, ist doch Mist."

Jedenfalls aß Bernhard nach drei Wochen ausgezeichnet, sah blühend aus und die Mutter fragte zu Hause: "Was ist nur mit dem Bernhard los, der ißt ja so gut."

Die Überlegungen, die hinter diesen Maßnahmen stehen, sind im Grund ganz einfach: Konsequent nach der seelischen Verfassung des Kindes richten. Dabei kann es sein, und das ist gar nicht so sehr selten, dass das Kind zwar insgesamt in ganz guter Verfassung ist und nur ein kleiner Bereich beeinträchtigt wurde. Z.B. das Essen, die Hausaufgaben, Schimpfworte oder was auch immer. Dann gilt es natürlich, dem Kind in diesem Teilbereich entgegenzukommen.
Zunächst brauchte Bernhard seinen Teller also nicht leer zu essen, wenn er nicht wollte. eines Tages hatte Vater Nudeln mit Tomatensauce gekocht. Berhard sieht in den Topf und fragt: "Ist das alles." Vater hatte sich in Gedanken schon damit abgefunden, mit einem Butterbrot vorlieb zu nehmen. Jedenfalls häuft Bernhard sich den Teller ganz unmanierlich voll, aß drei Bissen und erklärt dann: "Ich mag nicht mehr." Vater ganz ruhig: "Du brauchst den Teller nicht leer zu essen, wir haben einen großen Mülleimer." Gegen Ende der Ferien jedoch hieß es ganz ungerührt: "Mach kein Theater, der Teller wird leergegessen." Und dann aß Berhard den Teller ganz bereitwillig leer.

Zu Beginn der Ferien bestand Bernhard darauf, in jede kleine Tasse Tee 6 Stücke Würfelzucker zu tun. Obwohl Vater dazu neigt, auf Zucker allergisch zu reagieren, dachte er immer nur an das Klima und ließ ihn gewähren. Gegen Ende der Ferien erklärte Vater ganz kategorisch: "Zwei Stücke, und dann ist Pensum." Und Bernhard trank ganz vergnügt seinen mit lediglich zwei Stückchen Zucker gesüßten Tee.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Vater hier eine Meisterleistung vollbracht hat, indem er dem Jungen dazu verhalf, angemessene Protionen bereitwillig zu essen. Das ist jedoch nicht ganz zutreffend. Man muss ja bedenken, dass es nicht Vaters Seele war, die sich bei diesem Jungen wundgescheuert hatte. Der Junge war ein fremdes Kind, das man natürlich leichter mit Gelassenheit behandeln kann als ein eigenes. Für Mutter wäre diese Prozedur ungleich schwieriger zu praktizieren, was nicht bedeutet, dass dies nicht möglich wäre. Es wäre nur erforderlich, sich auf die jeweiligen Situationen bei Tisch mit Leitsituationen ganz gezielt vorzubereiten.

- - -

Bemerkung: Die hier beschriebene Geschichte hat sich wirklich zugetragen. Natürlich kann man die Essensgewohnheiten durch andere ersetzen, das Prinzip bleibt immer das Gleiche.

Kleines Zeichentrick-Flash-Video

Es gibt eine entzückende Kindergeschichte über einen kleinen Maulwurf, dem jemand auf den Kopf macht. Bei seinen Recherchen entdeckt er, dass die Tiere alle unterschiedlichen Stuhlgang haben. Interessant, dass ihm nur die Ausscheidungen des Hausschweines (wird/wurde ja meist mit Kochkostresten gefüttert) stinken. Hier eine schön gemachte Zeichentrick-Flash-Video Version:

Die Geschichte vom kleinen Maulwurf